Umwelt und Nachhaltigkeit
AGRANA ist ein international tätiges Unternehmen, das pflanzliche Rohstoffe zu qualitativ hochwertigen Produkten veredelt. Ein nachhaltiger Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ist uns seit Jahrzehnten ein besonderes Anliegen. Nahrungsmittelsicherheit, Qualitätssteuerung, Rückverfolgbarkeit aller industriellen Prozesse bis auf das Feld sowie Zertifizierungen tragen zur Nachhaltigkeit der AGRANA-Produkte und zur nachhaltigen Umweltorientierung bei. Nachhaltigkeit ist für AGRANA somit ein integrierter Bestandteil der Unternehmensphilosophie und ein wichtiger Grundsatz für die Abwicklung des operativen Geschäftsalltages.
AGRANA ist in der Industrie Vorreiter im nachhaltigen und umweltbewussten Handeln. Der Energie- und Rohstoffeinsatz sowie die Produktionsverfahren werden laufend optimiert. Seit 1990 hat AGRANA Millionenbeträge in den Bereichen Transport, Energieversorgung, Produktion und Verpackung investiert und damit bereits vor Jahren das Kyoto-Ziel zum Abbau von CO2-Emissionen bis 2010 erreicht.
Nahrungsmittelsicherheit, Qualitätssteuerung, Rückverfolgbarkeit aller industriellen Prozesse bis auf das Feld – Behandlung der Rohstoffe von der Aussaat bis zur Ernte – sowie Zertifizierungen (ISO 9001:2000, ISO 22000, International Food Standard, GMP+*, Qualität & Sicherheit) tragen zur Nachhaltigkeit der AGRANA-Produkte und zur nachhaltigen Umweltorientierung bei.
Beispiele Segment ZUCKER
AGRANA investiert an ihren Standorten bereits seit Jahren in die Optimierung des Energieeinsatzes und in umweltrelevante Emissionsreduktionen. Die bei der Verarbeitung der Zuckerrüben zur Verdampfung des 75%igen Wasseranteils benötigte Prozesswärme- und Elektroenergie wird in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (Dampf- und Gasturbinen) mit maximalem Wirkungsgrad gewonnen. Dies ermöglicht eine hohe Ausnutzung der eingesetzten Primärenergie, einen geringen Verbrauch von fossilen Energieträgern, geringe spezifische Emissionen und schont die Umwelt. Der spezifische Energieeinsatz wurde seit 1990 durch energiesparende Investitionen um mehr als 30 % reduziert. Die CO2-Emissionen konnten im gleichen Zeitraum um 32 % vermindert und damit ein bedeutender Beitrag zur Reduktion der Umweltbelastung geleistet werden.
Österreichs Zuckerindustrie hat mit dieser überproportional hohen Reduktion auch das Kyoto-Ziel einer 13%igen Verringerung des CO2-Ausstoßes in Österreich bis 2010 im Vergleich zu 1990 bereits erfüllt.
Der Rübentransport in die österreichischen Zuckerfabriken Leopoldsdorf und Tulln erfolgt schwerpunktmäßig auf der Schiene.
Biogasanlage Kaposvár
Im Geschäftsjahr 2007|08 errichtete AGRANA in der Zuckerfabrik in Kaposvár | Ungarn eine Biogasanlage, die die erste ihrer Art in der europäischen Zuckerindustrie ist. Die Anlage erzeugt aus den bei der Zuckerrübenverarbeitung anfallenden Rübenschnitzeln Biogas. Für die Energieversorgung in der Zuckerrübenkampagne 2008 wurde eine Gesamtbiogasmenge von rund 9,0 Mio. m3 erzeugt, die einer Einsparung von rund 4,8 Mio. m3 Erdgas entspricht. In der Kampagne 2008 wurden in Kaposvar bereits 45 % des Energiebedarfs durch eigenes Biogas abgedeckt. Die produzierte Menge an erneuerbarer Energie verbesserte die jährliche CO2-Bilanz um 9.000 Tonnen CO2.
Die Anlage wurde nach der Zuckerrübenkampagne mit reduzierter Leistung weiterbetrieben, um in der Heizperiode die komplette Wärmeenergieerzeugung zur Versorgung der gesamten Werksanlagen und des Zuckersilos abzusichern. Die tägliche Biogasproduktion in dieser Heizperiode betrug durchschnittlich 12.000 m3. Damit wurde die gesamte Erdgasmenge für die Heizperiode von 100 Tagen eingespart. Dies führte zu einer weiteren Einsparung an Energiekosten und einer zusätzlichen Verbesserung der CO2-Bilanz um 1.200 Tonnen.
Beispiele Segment STÄRKE
In den Stärkefabriken beschäftigt sich AGRANA derzeit ebenso mit der energetischen Nutzung von Nebenprodukten der Kartoffel- bzw. Maisstärkeproduktion. Der Primärenergieträger Erdgas konnte durch die Nutzung von Biogas bzw. Biomasse teilweise ersetzt werden. Einen weiteren Schwerpunkt zur Steigerung der Energieeffizienz bilden Energierückgewinnungsmaßnahmen, wie zum Beispiel die optimale Abwärmenutzung der Feuerungsanlagen. AGRANA untermauert damit ihre Bemühungen um eine nachhaltige Energieversorgung.
Bioethanol als nachhaltiger, umweltfreundlicher Kraftstoff
Mit der Errichtung der ersten großindustriellen Bioethanol-Anlage in Österreich leistet AGRANA einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Österreichs CO2-Bilanz. Bioenergie ist ein wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Energieszenarios. Im Verkehrssektor mangelt es an kurzfristig umsetzbaren Alternativen zu Biotreibstoffen. So haben sich beispielsweise in Österreich seit dem Jahr 1990 die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr nahezu verdoppelt und verursachen rund 26 % der österreichischen Gesamtemissionen. Kraftstoffe aus regenerativen Rohstoffen, die weitgehend CO2-neutral in der Aufbringung und Herstellung sind und nachhaltig erzeugt werden können, tragen wesentlich zur Problemlösung bei. Zusätzlich wird die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes gefördert. Die Europäische Union schreibt daher bis zum Jahr 2020 einen Anteil von Biokraftstoffen von 10 % der verwendeten Treibstoffe als Ziel vor. Österreich will dieses Ziel schon 2010 erreichen. Seit 1. Oktober 2008 müssen 5,75 % der in Österreich in Verkehr gebrachten Kraftstoffe biogene Treibstoffe, also Bioethanol oder Biodiesel, sein. Zusätzlich wird mit SuperEthanol E85 ein neuartiger Treibstoff angeboten, der zu bis zu 85 % aus Bioethanol besteht.
AGRANA betreibt im niederösterreichischen Pischelsdorf Österreichs einzige großindustrielle Anlage zur Herstellung von Bioethanol. Mit der Verarbeitung von bis zu 620.000 Tonnen Getreide, hauptsächlich Weizen und Mais aus Österreich, können bis zu 240.000 m³ (bzw. 190.000 Tonnen) Bioethanol pro Jahr produziert werden. Damit wird der österreichische Bioethanolbedarf komplett abgedeckt. Aus den Produktionsreststoffen werden bis zu 190.000 Tonnen DDGS (Distillers Dried Grains with Solubles) erzeugt. Dieses Eiweißfuttermittel wird unter dem Markennamen „ActiProt“ erfolgreich vertrieben. Das hochwertige, zur Herstellung gentechnikfreier Lebensmittel geeignete Futtermittel leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit der Bioethanolerzeugung, sondern auch zur ökologischen und ökonomischen Gesamtbilanz des Werkes. Es substituiert rund ein Viertel der österreichischen Soja-Futtermittelimporte aus Übersee, deren Gentechnikfreiheit in Zukunft nur schwer gewährleistet werden kann.
Eine von der Grazer Joanneum Research Forschungsgesellschaft erarbeitete Lebenszyklusanalyse untersuchte nach der von der EU geforderten Energie-Allokationsmethode die Treibhausgasbilanz von Bioethanol aus Pischelsdorf im gesamten Produktlebenszyklus vom Anbau der Rohstoffe und deren Düngung, Ernte, Transport und Verarbeitung bis zur Verbrennung im Motor. Dabei wurden CO2, Methan und Lachgas berücksichtigt und in CO2-Äquivalente umgerechnet. Über den gesamten Produktlebenszyklus berechnet, ergaben sich dabei für die Verbrennung eines Liters Bioethanol gegenüber einem Liter Benzin CO2-Einsparungen von 47 % – 51 % in Abhängigkeit der verwendeten Rohstoffe Mais oder Weizen. Insgesamt können somit im österreichischen Transportsektor pro Jahr bis zu 380.000 Tonnen CO2-Äquivalent und 100.000 Tonnen Rohöläquivalent eingespart werden. Die AGRANA Bioethanolanlage übererfüllt zudem das bis 2012 geforderte EU-Ziel von 35 % CO2-Einsparung für biogene Treibstoffe und erreicht schon heute das ab 2017 geltende Ziel von 50 % CO2-Einsparung.
Bioethanol aus dem AGRANA Werk Pischelsdorf leistet einen wertvollen Beitrag zur Reduktion der österreichischen Treibhausgasemissionen, trägt durch die Substitution von Öl- bzw. Futtermittelimporten zur Verbesserung der österreichischen Handelsbilanz sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum bei und fördert die Energieunabhängigkeit.
HERSTELLUNG VON BIOPRODUKTEN
AGRANA stellt nunmehr in allen Segmenten Bio-Produkte her. In der Zuckerkampagne 2008|09 produzierte AGRANA erstmals Bio-Rübenzucker nach den Vorgaben der EU-Verordnung über den ökologischen Landbau. Die erforderliche Trennung zwischen konventionellem und Bio-Zucker sowie die eingeschränkte Liste der Verarbeitungshilfsstoffe stellt für die Verarbeitung der Bio-Rüben eine große technologische Herausforderung dar. Die Einhaltung der EU-Bio-Verordnung wird in allen Produktionsstufen vom Feld bis zum Handel durch anerkannte Bio-Kontrollstellen überwacht. Bio-Zucker wird unter der Marke „Wiener Zucker“ als Bio-Rübenzucker im Einzelhandel vertrieben sowie an Unternehmen der Lebensmittelindustrie für deren Bio-Produktion verkauft.
NUTZUNG VON NEBENPRODUKTEN
Nachhaltige Produktion bedeutet auch eine möglichst vollständige Verwertung anfallender Nebenprodukte. Von den Zucker- und Stärkewerken werden die Nebenprodukte Carbokalk und Kartoffelrestfruchtwasser als Dünge- und Bodenverbesserungsmittel angeboten. Rübenschnitzel, Kartoffeleiweiß und DDGS (Distillers Dried Grains with Solubles) werden an die Landwirtschaft als hochwertige Futtermittel abgegeben. Im Segment Frucht werden anfallende Trester an die Pektinindustrie oder als Futtermittel verkauft oder einer thermischen Nutzung zugeführt.
BERATUNG VON LANDWIRTEN
Um den Pestizid- und Düngemitteleinsatz im Zucker- und Stärkebereich zu verringern, führt AGRANA seit Jahren intensive Beratungen bei den Landwirten durch. Weiters wurden Optimierungen der Bewässerung durch Messung der Bodenfeuchte im Wurzelraum entwickelt. Im Bereich Frucht wird eine ähnliche Beratung durch intensiven Kontakt der AGRANA "Category Buyers" mit den Fruchtlieferanten durchgeführt. Zur Absicherung von hohen Qualitätsstandards und der Förderung einer nachhaltigen Bewirtschaftung arbeitet AGRANA mit zertifizierten Rohstofflieferanten zusammen.
WASSER & LUFT
Die Produktionsverfahren in den AGRANA-Werken zeichnen sich durch möglichst geschlossene Kreisläufe aus. Darunter ist neben einer weitgehend vollständigen Nutzung aller Rohstoffbestandteile und Nebenprodukte auch die Wiederaufbereitung und -verwendung von Wasser zu verstehen.
Für eine umweltfreundliche Produktion ist auch besonderes Augenmerk auf die Reinigung der im Produktionsprozess anfallenden Abwässer zu richten. In den AGRANA-Werken besteht daher seit Jahren ein Investitionsschwerpunkt, um die Systeme zur Abwasserreinigung kontinuierlich zu verbessern. Das in der Kartoffelstärkefabrik Gmünd | Österreich anfallende Kartoffelfruchtwasser, das wertvolle Mineralstoffe der Kartoffel enthält, wird in konzentrierter Form wieder dem Boden zugeführt. Ebenso wird in der Maisstärkefabrik Aschach | Österreich das Quellwasser eingedampft und als wertvoller proteinhältiger Bestandteil dem Futtermittel beigemengt.
Eine ständige Verbesserung der Produktionsanlagen hinsichtlich Sicherheit, ökologischer Verträglichkeit und im Speziellen Ressourcenschonung ist AGRANA ein wichtiges Anliegen.
In Zusammenarbeit mit Experten, Behörden und Anrainern wurden in den letzten Jahren umfangreiche Maßnahmen zur Verminderung von Staub-, Geruchs- und Lärmemissionen gesetzt. Moderne Biofilteranlagen für organische Geruchsträger reinigen die Abluftströme der Nebenproduktlinien.
* Good Manufacturing Practice.