Bioethanol
In Österreich wurde die EU-Biokraftstoffrichtlinie mit einer Beimischungsverpflichtung für biogene Treibstoffe ab
- 1. Oktober 2005 von 2,5 Energieprozent
- 1. Oktober 2007 von 4,3 Energieprozent
- 1. Oktober 2008 von 5,75 Energieprozent
umgesetzt. Dies ist verbunden mit einer Steuerbegünstigung ab 1. Oktober 2005 für Diesel mit einem Anteil von mindestens 4,4 Volumsprozent biogenem Treibstoff und ab 1. Oktober 2007 für Benzin mit einem Anteil von mindestens 4,4 Volumsprozent biogenem Treibstoff. Ebenfalls ab 1. Oktober 2007 ist die Bioethanol-Gemischverordnung in Kraft getreten, welche auch hohe Bioethanol-Anteile (85 %) im Benzingemisch steuerlich begünstigt.
Die österreichische Bundesregierung kündigte zudem im März 2007 das ambitionierte Ziel an, den EU-Richtwert einer 10%igen Substitution bereits zum Jahr 2010 und nicht erst bis 2020 erreichen zu wollen.
Unter diesen Rahmenbedingungen hat AGRANA in Pischelsdorf/NÖ die erste großindustrielle Bioethanol-Produktion in Österreich mit einer Kapazität von bis zu 240.000 m3 pro Jahr errichtet.
Als Rohstoff werden österreichische Kulturpflanzen wie Mais, Weizen und Zuckerrüben verarbeitet. Dies sichert die nachhaltige Bewirtschaftung von rund 75.000 ha landwirtschaftlicher Fläche.
Bei der Bioethanol-Produktion aus Getreide wird zusätzlich bis zu 190.000 Tonnen proteinreiches Tierfuttermittel, genannt "ActiProt", hergestellt, welches Futtermittelimporte auf Sojabasis aus Übersee teilweise ersetzen kann.
Die AGRANA Produktion von Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen zur Benzinbeimischung weist sowohl eine positive Energie- als auch eine positive Ökobilanz auf. Bei der Verwendung von Bioethanol im Vergleich zu Benzin reduziert sich der CO2-Ausstoß pro verbrauchtem Liter um rund 1,6 Kilogramm CO2, womit sich durch die AGRANA Anlage eine CO2-Entlastung der Umwelt um rund 380.000 Tonnen pro Jahr errechnet.
Mit 1. Oktober 2007 hat AGRANA im Werk Pischelsdorf den Testbetrieb aufgenommen. Die extrem gestiegenen Rohstoffpreise ab Mitte des Jahres 2007 haben AGRANA dazu veranlasst, die Produktion nach erfolgtem Testbetrieb zu verschieben. Die Wiederaufnahme erfolgte Ende Mai 2008, seit Anfang Juni wird wieder Bioethanol produziert.
Ungarn
In Ungarn wurden ebenso Steueranreize zur Umsetzung der EU-Biokraftstoffrichtlinie eingeführt.
Die Mineralölsteuerbefreiung gilt zu 100 % für ETBE (Ehtyl Tertiär Butyl Ether: enthält bis zu 47 % Bioethanol statt Methanol und hat dem MTBE ähnliche Eigenschaften) und Biodiesel.
Derzeit wird rund 1 % Bioethanol in Form von ETBE dem Treibstoff beigemischt.
Mittlerweile hat die ungarische Regierung die nationale Umsetzung der EU-Richtlinie erweitert und eine verpflichtende Beimischung von Biokraftstoffen zu fossilen Treibstoffen in Höhe von 4,4 % ab 1. Juli 2007 festgelegt. Bei Unterschreiten dieses Niveaus werden höhere Steuern (plus 8 %) angelastet.
Da der ETBE-Bedarf im Treibstoff beschränkt ist, wurde nun auch die direkte Beimischung von Bioethanol zu Benzin ermöglicht.
Die AGRANA Beteiligung Hungrana liefert rund 60 % des Ethanolbedarfs an die ungarische Mineralölindustrie. Zur Deckung dieser Menge wurde im zweiten Quartal 2005|06 mit der Erweiterung der bestehenden Bioethanol-Produktion begonnen. Der Kapazitätsausbau auf rund 52.000 m3 pro Jahr wurde im Mai 2006 abgeschlossen.