Strukturelles Umfeld

Die EU Zuckermarktordnung 

In ihrem Geschäftssegment Zucker unterliegt AGRANA in EU Mitgliedsstaaten der Europäischen Zuckermarktordnung, die sich auf Zucker und Isoglukose erstreckt. Die seit Mitte der 1960er Jahre den EU Zuckermarkt regulierende Marktordnung, die unter anderem Produktionsquoten, einen Außenschutz für Zucker sowie gestützte Exporte aus der EU auf den Weltmarkt vorsah, wurde wiederholt geändert und angepasst, blieb in ihren Grundzügen aber bis 30. Juni 2006 unverändert.

Im Zuge der Globalisierung und im Rahmen der internationalen Bemühungen und Diskussionen den Welthandel zu liberalisieren, wie sie auch in anderen landwirtschaftlichen Märkten oder anderen Wirtschaftsbereichen geführt werden, wurde eine Reform der bis 2006 bestehenden Europäischen Zuckermarktordnung durch folgende zwei Entscheidungen im internationalen Handel unumgänglich:

  • "Everything but Arms" (EBA)-Abkommen
  • WTO-Bestrebungen der Liberalisierung des Welthandels ("Zuckerpanel")

Die Reform der EU Zuckermarktordnung

Wesentliche Ziele der Reform der bis 2006 gültigen EU- Zuckermarktordnung waren:

  • Senkung der europäischen Zuckerproduktion von rund 18 Mio. Tonnen um rund 6 Mio. Tonnen auf 12 Mio. Tonnen, um Überschüsse zu vermeiden
  • Senkung der Referenzpreise für EU- und importierten Zucker um 36%
  • Senkung des Mindestrübenpreises um 40%

Um diese Ziele zu erreichen, wurde ein durch die Zuckerindustrie selbst finanziertes System des freiwilligen Ausstiegs eingerichtet. Im Rahmen der Reform hatten die weiterhin produzierenden Zuckererzeuger in den Zuckerwirtschaftsjahren 2006|07 – 2008|09 (3 Jahre) für die jeweils produzierte Menge an Quotenzucker eine Restrukturierungsabgabe in einen Restrukturierungsfonds zu leisten. Aus diesem Fonds erhielten Produzenten und Rübenbauern, die aufgrund klimatischer oder wirtschaftlicher Voraussetzungen unter den neuen Rahmenbedingungen nicht mehr konkurrenzfähig produzieren konnten und daher freiwillig ihre Produktionsquoten zurücklegten in den Zuckerwirtschaftsjahren 2006|07 – 2009|10 (4 Jahre) Prämien ausgezahlt.

Durch dieses System des mit einem finanziellen Anreiz verbundenen Produktionsverzichtes wurde das Reformziel der Produktionsverringerung von 6 Mio. Tonnen zu 97% (5,8 Mio. Tonnen) erreicht. Auf einen abschließenden Final Cut zur Erreichung des Reduktionszieles von 6 Mio. Tonnen wurde verzichtet.

Die AGRANA Gruppe musste im Vorfeld bzw. im Rahmen der Reform 117.000 Tonnen Zuckerproduktionsquote aufgeben und die Zuckerfabriken Hohenau|Österreich und Petöhaza|Ungarn schließen. Insgesamt betrugen die Nettobelastungen aufgrund der im Rahmen der Reform zu leistenden Restrukturierungsabgabe rund  EUR 240 Mio.

Die Reformperiode ist mit dem Zuckerwirtschaftsjahr 2009|10 abgeschlossen. Die aktuelle EU Zuckermarktordnung gilt noch bis zum 30. September 2017, an dem das Zuckerwirtschaftsjahr 2016|17 endet.

Die aktuelle Situation: Zuckerhandel Weltmarkt – EU

Auf Basis der aktuellen EU Zuckermarktordnung ist der europäische Zuckermarkt seit 1. Oktober 2009 für Einfuhren sowohl aus den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (Least Developed Countries) durch das „Alles-außer-Waffen“-Abkommen (EBA), als auch aus den AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) durch das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) geöffnet. Zölle und Mengenbegrenzungen wurden vollständig aufgehoben. Eine spezielle Schutzklausel soll bei Überschreiten einer bestimmten Importmenge die Wiedereinführung von Schutzzöllen erlauben.

Der Natürliche Mehrwert.

  • Zucker.
  • Stärke.
  • Frucht.